Status der staatlichen Radverkehrspolitik und früherer Radförderpools
In Dänemark zeigt sich ein Rückgang der Fahrradkilometer seit 2014, insbesondere in ländlichen Gebieten und unter Kindern sowie Jugendlichen, während E-Bikes einen Boom erleben. Trotz Investitionen in Höhe von 3,5 Milliarden DKK durch die Nationalen Radförderpools seit 2009 ist die Gesamtentwicklung negativ, was auf Faktoren wie verändertes Autobesitzverhalten und Sicherheitswahrnehmungen zurückzuführen ist. Das Vejdirektoratet empfiehlt gezieltere Förderungen und die Etablierung eines Nationalen Wissenszentrums für Radförderung.
Hintergrund
Die Präsentation von Marianne Foldberg Steffensen vom Vejdirektoratet auf einem Fahrradseminar im März 2022 beleuchtet die Entwicklung der Radverkehrspolitik der letzten 10–15 Jahre. Der Cykeltrafikindeks des Vejdirektoratets zeigt einen markanten Rückgang der gefahrenen Kilometer auf dem Fahrrad, am stärksten in dünn besiedelten Regionen, während Großstädte Stagnation oder leichte Zuwächse verzeichnen. Besonders alarmierend: Bei 10- bis 17-Jährigen sind die Fahrradtouren pro Tag um 32 Prozent in den letzten zehn Jahren gesunken. Im Kontrast dazu wurden 2020 rund 70.000 E-Bikes verkauft – dreimal so viele wie 2014 –, und etwa 10 Prozent der Dänen besitzen heute ein E-Bike.
Investitionen in Radinfrastruktur gelten als wirtschaftlich lohnenswert: Pro zusätzlichem Kilometer auf dem Fahrrad spart die Gesellschaft fast 10 DKK, bei E-Bikes rund 6,5 DKK, vor allem durch gesundheitliche Vorteile bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Krebs (abzüglich Unfallkosten). Eine Studie von Dansk Industri aus 2018 prognostiziert, dass 10 Prozent mehr Radfahren jährlich 267.000 Krankheitstage einsparen würde, davon 112.000 Arbeitsdagen, mit einem gesellschaftlichen Nutzen von 1,1 Milliarden DKK.
Die Nationalen Radförderpools seit 2009 haben 3,5 Milliarden DKK mobilisiert, davon 2,2 Milliarden vom Staat und 1,3 Milliarden von Kommunen. Eine Evaluierung (2009–2014) ergab, dass zwei Drittel der geförderten Kommunen ihre eigenen Radinvestitionen steigerten und der Radverkehr auf Projektstrecken um über 20 Prozent zunahm. Dennoch hat sich der Gesamtradverkehr trotz Bevölkerungswachstum und Urbanisierung nicht erholt.
Ausblick
Das Vejdirektoratet plant die Gründung eines Nationalen Wissenszentrums für Radförderung im Rahmen des „Cyklens år“ und der Infrastrukturplan 2035 (4 Millionen DKK für 2022). Es soll Wissen bündeln, neue Forschung fördern und Kriterien für zukünftige Förderpools qualifizieren. Ergänzt wird dies durch ein 2021 eingerichtetes Radbeirat, das Stakeholder einbindet und Themen priorisiert.
Für kommende Radpools bis 2035 empfiehlt das Vejdirektoratet themenspezifische Schwerpunkte wie Pendler-Radwege (Supercykelstier), Radnutzung bei Kindern und Jugendlichen, Freizeitradfahren, Nationalen Radwege oder Kombireisen. Fördersätze von 40–50 Prozent (bis 100 Prozent für Wissensprojekte) sollten beibehalten werden, um Beteiligung auch schwächerer Kommunen zu sichern. Eine starke Konzentration auf die drei Großstädte könnte jedoch regionale Ungleichgewichte verstärken.